Blumen, ein Flughafen, Enten, türkische Jugendliche in Berlin und Istanbul, Pubertät und Einfamilienhäuser in der Nacht, Gesichter mit geschlossenen Augen, der eigene Körper, Neukölln und Tunnel, die amerikanische, die afrikanische, die deutsche Familie.
Das sind Menschen, Orte, Dinge, Zustände, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Es sind Begriffe, mit denen man einen Roman schreiben könnte. Man kann auch mit Bildern darüber erzählen.

Dies tun nun die beiden Abschlussklassen der Ostkreuzschule Berlin und beenden damit ihr dreieinhalbjähriges Studium. Mit ihren Bildern erzählen die 24 Fotografen alte und neue Geschichten. Sie tun dies subjektiv und genau. Manche der Bilder geben ihr Rätsel nicht ganz preis. Das Vertrauen in die Kraft der Bilder ist deutlich erkennbar. An den Arbeiten kann man sehen, was den Autoren wichtig ist. Selbstreflexion ist ein Thema dieser Generation. Ebenso wie der Anspruch, das "Selbst" in Bezug zur Wirklichkeit zu bringen. Ihre Fragen stellen sie im privaten oder im gesellschaftlichen Umfeld.

Es gibt Träumer unter ihnen, es gibt bekennende Dokumentaristen, es gibt die Fabulierer und die Radikalen, die jedes Bild hinterfragen und wie bei einem Gedicht das Wiederholende, Überflüssige weglassen. Es gibt die Beobachter und die Inszenierer. Was sie vereint, ist der Respekt vor ihrem Gegenstand. Auffällig ist die Empathiefähigkeit und Bereitschaft, die Distanz zu verringern. In ihren so unterschiedlichen Arbeiten stellen sie Zusammenhänge her und dokumentieren auf ihre eigene Art, was sie an dieser Wirklichkeit bemerkenswert finden. Professionell in der Handhabung der fotografischen Mittel, haben sie an ihre Arbeiten einen künstlerischen Anspruch.

Diese Vielfältigkeit der fotografischen Interessen und die Unterschiedlichkeit in der Umsetzung ist eines der Ziele der Ostkreuzschule für Fotografie. Unsere Aufgabe ist es vor allem, das Entdecken, das Zulassen, das Ermutigen und nicht zuletzt das Fördern der besonderen Begabung des Einzelnen, um ihnen damit das Selbstbewusstsein zu geben, ihre Fotografie auch außerhalb der Schule erfolgreich fortzusetzen.

Prof. Ute Mahler